Ganzheitliche Beratung als Erfolgskonzept in anspruchsvollen Zeiten
Anlässlich der Veröffentlichung der Ergebnisse des Private-Banking-Test 2026 spricht Kai Fürderer, Mitglied der Geschäftsleitung der Gesellschaft für Qualitätsprüfung, über die Entwicklung des Beratungs- und Serviceangebots deutscher Regionalbanken im Bereich Private Banking, über Verbraucherschutz, Qualitätskontrolle und die Bedeutung ganzheitlicher Beratung.
Sie führen den Private-Banking-Test seit 2023 jährlich durch. Haben die Ergebnisse in diesem kurzen Abstand überhaupt eine Relevanz?
Fürderer: Ein kurzer Blick auf die Vermögensentwicklung in Deutschland spricht auf jeden Fall dafür. In den letzten Jahren ist das durchschnittliche Haushaltsvermögen deutlich gestiegen. Der Median lag 2023 bereits bei fast 325.000 Euro.
Hinter der Gesamtverteilung steht aber vor allen Dingen eine immer größere Zahl an Haushalten, denen ein frei verfügbares Vermögen von 500.000 Euro und mehr zur Verfügung steht.
Dies sind die potenziellen Anleger, die für Regionalbanken im Bereich Private Banking interessant sind und mit denen sich deshalb auch der Private-Banking-Test 2026 befasst.
Dann ist der Private-Banking-Test also eine Unterstützung bei der Auswahl geeigneter Dienstleister. Ist da eine jährliche Neuauflage erforderlich?
Fürderer: Das Banken-Ökosystem befindet sich schon seit einigen Jahren im radikalen Wandel. Im Extremfall werden in älteren Tests Regionalbanken bewertet, die es schon ein Jahr später nicht mehr gibt. Allein im Laufe des Jahres 2024 sind auf diesem Wege mehr als 1.600 Bankfilialen und auch zahlreiche Regionalbanken (im Zusammenhang mit Fusionen) verschwunden.
Darüber hinaus entwickelt sich der Finanzmarkt immer schneller, was auch die Regionalbanken im Bereich Private Banking dazu zwingt, starke Anstrengungen zu unternehmen, um am Ball zu bleiben. Da kann sich innerhalb eines Jahres sehr viel verändern, zum Positiven wie auch zum Negativen.
Der jährliche Private-Banking-Test trägt dieser konkreten Entwicklung Rechnung und bietet Endkunden die Möglichkeiten, sich darüber zu informieren, welche Institute diese beeindruckenden Ergebnisse nachhaltig zu leisten im Stande sind.
Haben die Banken dann sogar Angst vor Ihrem kritischen Urteil?
Fürderer: Den Eindruck habe ich nicht. Zumal es nicht unser Bestreben ist, Banken, denen der Private-Banking-Test vielleicht nicht in allen Bereichen Höchstleistung bescheinigt, an den Pranger zu stellen.
Im Gegenteil ist unser oberstes Ansinnen, herausragende Leistung in Beratungs- und Servicequalität herauszustellen und zu würdigen. Durch die jährliche Bewertung liefern wir damit gleichzeitig ein für die Banken wertvolles Monitoring-Instrument.
Banken, die sich im Vergleich zum Vorjahr verbessern konnten, erhalten Anerkennung für ihre Leistungssteigerung. Solche die im Ranking Rückschritte zeigen, haben Gelegenheit, sich selbst kritisch zu hinterfragen und nachzusteuern, um im nächsten Jahr wieder besser abzuschneiden.
Sind die einzelnen Tests denn jeweils 1:1 vergleichbar?
Fürderer: Die Methodik, die dem Private-Banking-Test 2026 zugrundliegt, hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert. Insofern: ja, die Ergebnisse sind vollständig vergleichbar.
Auch in diesem Jahr haben unsere qualifizierten Testkunden den Kontakt zu Regionalbanken gesucht und eine Erstberatung via Telefon oder Video-Call in Anspruch genommen. Dabei haben sie angegeben, eine Summe von mindestens 500.000 Euro anlegen zu wollen.
Weitere Rahmenbedingungen waren eine Renditeerwartung von mindestens 6 % nach Abzug der Kosten sowie eine Begrenzung risikoreicher Investments im Portfolio.
Reicht eine Erstberatung denn aus, um die Beratungsqualität einer Bank zu bewerten?
Fürderer: Die erste (umfassende) Beratung ist bei solchen Anlagevolumen natürlich nur ein erster, kleiner Schritt. Trotzdem lassen sich hier bereits grundlegende Fragen nach der Service- und Beratungsqualität beantworten.
Anders ausgedrückt: Wer bei der ersten Kontaktaufnahme nicht überzeugt, der bekommt selten die Chance, sich weiter zu beweisen und hat sie vielleicht auch nicht verdient. Die Fragen im Erstgespräch sind maßgeblich für die anschließende Beratungsqualität, die der Kunde erleben kann bzw. wird.
Wie sieht demnach eine gute oder sogar überdurchschnittliche Erstberatung aus?
Fürderer: Der zentrale Maßstab für die Bewertung der Leistung der Regionalbanken im Private-Banking-Test 2026 war das Idealbild einer ganzheitlichen Beratung. Schon im Erstgespräch sollte erkennbar sein, dass es dem Gesprächspartner nicht darum geht, möglichst schnell Produkte mit hohen Provisionen zu verkaufen. Insofern sollte das Erstgespräch aktiv genutzt werden, um die persönliche Situation des potenziellen Investors auszuleuchten.
Wie sieht die individuelle finanzielle Situation aus? Was wurde vielleicht schon im Bereich Vorsorge und Risikoabsicherung unternommen und wo sind noch Lücken, die berücksichtigt werden sollten? Dabei sollten die Anlageziele und Präferenzen zwar grundsätzlich berücksichtigt, aber auch kritisch hinterfragt, werden.
Eine Beratung, die dem Kunden sprichwörtlich nach dem Mund redet und dabei Risiken ignoriert und Potenziale ausblendet, erscheint nur auf den ersten Blick bedarfsgerecht.
Der Private-Banking-Test prämiert „Exzellente Qualität“. Wie lässt sich diese in Noten bewerten?
Fürderer: Unsere Testkunden nutzen zur Dokumentation der Beratungsgespräche einen standardisierten Fragebogen.
Dieser Fragenkatalog ist das Ergebnis unserer langjährigen Erfahrung als Testinstitut und der fachkundigen Auseinandersetzung mit dem Thema Private Banking bzw. vermögende Kunden. Mittels eines strukturierten Auswertungsbogens werden die Ergebnisse in vergleichbare Noten übertragen. Dies geschieht in drei Kategorien: der Beratungsqualität, der Servicequalität und dem gesondert durchgeführten Digital-Check.
Mit den ersten beiden Kategorien bewerten wir die konkrete Erstberatung, sowohl im Hinblick auf die gesuchte ganzheitliche Beratung als auch die übergeordnete Leistung im Kundenservice. Während die Bewertung der Beratungsqualität Aspekte wie Tiefe, Relevanz und Kundenzentrierung berücksichtigt, konzentriert sich die Frage nach Servicequalität auf Freundlichkeit und organisatorische Kompetenz.
Da die Beratungsqualität im Vordergrund steht, fließen die Ergebnisse in diesem Bereich mit 50 % in das Gesamtergebnis ein. Trotzdem geht es nicht nur um Fachkompetenz, weshalb der Service immerhin 20 % der Endnote ausmacht.
Mit dem Digital-Check eröffnet der Private-Banking-Test eine zusätzliche Perspektive. Immer mehr Anleger, insbesondere der jüngeren „digitalen“ Generationen, suchen als erstes gezielt im Internet nach Informationen, noch bevor sie überhaupt mit Anbietern in Kontakt treten.
Hier müssen Regionalbanken präsent sein und mit einem leicht zugänglichen, thematisch relevanten und qualitativ hochwertigen Angebot überzeugen. Die Website ist hier buchstäblich eine Visitenkarte, die einen ersten Eindruck vermitteln kann, was Interessenten von einer Beratung erwarten können.
Darüber hinaus wünschen sich viele Kunden vor und während einer Zusammenarbeit ein niedrigschwelliges digitales Serviceangebot, von der Online-Terminvereinbarung bis hin zum digitalen Dokumentenaustausch.
Wer das heute nicht anbieten kann, verliert schnell den Zugang zu attraktiven Zielgruppen. Deshalb fließen die Ergebnisse des Digital-Check mit 30 % in das Gesamtergebnis ein.
Am Ende steht so eine klassische dezimale Schulnote, mit der die Leistung der einzelnen Testkandidaten präzise bewertet werden kann und optimal vergleichbar ist.
So viel zur Theorie. Welche Erkenntnisse liefern die aktuellen Ergebnisse aus dem Private-Banking-Test 2026
Fürderer: Wir haben wieder zahlreiche herausragende Beratungsgespräche mit engagierten Beraterinnen und Beratern erlebt. Diese Regionalbanken dürfen sich zurecht über das Prädikat „Exzellente Beratungsqualität 2026“ freuen.
Insgesamt haben wir bei den Top-Banken im Durchschnitt längere Gespräche als im Vorjahr erlebt und es wurden auch mehr Bedarfe erkannt bzw. angesprochen.
Damit liegt der Grund in den längeren Beratungszeiten in der Zunahme der Qualität, was sich auch in den Noten entsprechend niederschlägt.
In dem folgenden Beitrag finden Sie bereits die ausgezeichneten Banken im „Private-Banking-Test 2026“ (Regionalbanken).
Fotoquelle: Shutterstock 493421305; Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH
