Im kommenden Frühjahr 2018 wird nun die erste DIN-Norm für die Finanzberatung in Kraft treten – die DIN 77230 – und die (Mindest-) Standards für die Finanzberatung und Analyse der finanziellen Situation von privaten Haushalten festlegen.
Die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) hat dieses Thema aufgenommen und die neue Norm unter die Lupe genommen und sich gefragt, welche Vorteile eine Norm für den Verbraucher bringen kann.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung vom 23.11.2017

Eine DIN kennen die meisten nur im Zusammenhang mit technischen Standards. Eins der bekanntesten Beispiele ist wohl unser heute gängiges Papierformat DIN A4. Matthias Kritzler-Picht vom Deutschen Institut für Normung in Berlin stellt klar, dass es auch zahlreiche Empfehlungen für Dienstleistungen gibt; Beispiele sind beispielsweise die DIN SPEC 77222 für die Bedarfsanalyse von Privatpersonen oder auch die DIN SPEC 77231 für den Prozess und Kompetenzrahmen für die Durchführung von exzellentem Service im Filialbanking.

Doch welche Änderungen wird es künftig durch diese Norm (DIN 77230) geben? Was dringend gebraucht wird, ist ein kundenorientierter und eindeutiger Prozess für die Erkennung von „blinden Flecken“ in der Finanzsituation. Die Norm soll eine Anleitung für jeden Finanzberater – ganz gleich ob in der privaten Finanzdienstleistungsbranche oder in einer Bank – sein, um eine sachgerechte finanzielle Analyse vornehmen zu können und im Anschluss daran, gemäß einer Prioritätenliste, die richtige Finanzempfehlung geben zu können. Und dies immer auch nach den Forderungen und Empfehlungen des Verbraucherschutzes – getreu dem Motto: „Verbraucherschutz – neu definiert!“.

Klarer Vorteil für den Verbraucher wäre dann, dass man mit einer bestimmten finanziellen Ausgangssituation die gleichen Empfehlungen erhält, ganz gleich bei welchem Institut man sich beraten lässt. Das ist bislang nämlich nicht der Fall. Hier herrscht oft „Wildwuchs“ und zu viel Individualität bzw. persönliche Meinung von Beratern bzw. Beraterinnen.
Aber auch Stiftung Warentest in Berlin begrüßt das Erscheinen der Norm. Holger Rohde, der wissenschaftliche Leiter des Ressorts Versicherungen und Recht sieht in der Norm noch weitere Vorteile: “Durch die klare Prioritätensetzung können existenzielle Risiken besser abgesichert werden.“

Aber hat die Norm auch positive Effekte für die Berater? Ganz klar ist, dass sich die Beratungsdauer deutlich erhöhen wird, wenn man eine genaue Analyse der Absicherungs- und Vorsorgesituation des Kunden vornehmen muss und hierfür keine effizienten und intelligenten Tools zur Hand hat. Bereits seit 2014 ist die DIN SPEC 77222 – eine Vorstufe der kommenden Norm – bereits existent und wird von einigen Banken in der Beratung bereits genutzt. Lars Georg Volkmann, Vertriebsvorstand der Vereinigten Postversicherung (VPV) stellt dazu fest: “Die Zufriedenheit der Kunden ist gestiegen.“

Berater werden sich also künftig (im ersten Schritt) auf einen höheren zeitlichen Einsatz in der Beratung einstellen müssen, doch wird sich eine umfassende Analyse mit klar priorisierten Handlungsempfehlungen auch auf das Geschäftsergebnis positiv auswirken und das Vertrauen der Kunden in die Dienstleistung „Finanzberatung“ wird gestärkt.

Verbraucherschützer stehen diese Norm auch kritisch gegenüber. Man befürchtet, dass sich die Kunden durch eine umfangreiche Analyse eher verpflichtet fühlen, einen Vertrag abzuschließen und würden eher einen freien Zugang, beispielsweise als Applikation auf der Homepage befürworten. Ist der Kunden dann gut informiert, kann er diese Erkenntnisse mit in die Beratung nehmen. Am Ende bleibt aber auch hier die Erwartung, dass sich hierdurch die Qualität verbessert.

Die Deutsche Bank hat hier bereits eine Vorreiterrolle und den aktuellen DIN-Standard bereits auf ihrer Homepage und für die Finanzanalyse für Privatpersonen berücksichtigt. Kunden sind in der Lage, den Fragenkatalog zu beantworten und die Ergebnisse dann ausgedruckt mitzunehmen oder zu übermitteln.

Den Beitrag aus der NOZ vom 23.11.2017 finden Sie hier.